Das Nachbarland Deutschland ist für Schweizer eine attraktive Möglichkeit, Waren aller Art günstiger als zu Hause einkaufen zu können. Dieser Einkaufstourismus boomt immer mehr – und verursacht nun in den grenznahen Regionen auch immer mehr Probleme.
Das Leben in Deutschland ist günstiger als das in der Schweiz. Das wissen auch die Eidgenossen und so verwundert es nicht, dass sich insbesondere in Baden-Württemberg, das direkt an der Grenze zur Alpenrepublik liegt, ein reger Grenzverkehr entwickelt hat. Vom Shampoo bis zum PKW oder der Einbauküche: Nahezu alles ist hier billiger. Allein im Jahre 2015 verzeichneten die Hauptzollämter in Lörrach und Singen 17,6 Millionen Ausfuhrkassenzettel, die ausgestellt worden waren. Dies meldet die Industrie- und Handelskammer (IHK) Hochrhein-Bodensee. Diese Belege ermöglichen es Bürgern, die nicht aus der EU stammen, sich unabhängig von der Höhe des Einlaufs die Mehrwertsteuer erstatten zu lassen. Seit dem Jahre 2011 sei damit die Zahl der Ausfuhrkassenzettel um 50 Prozent gestiegen. Nur elf Millionen Stück seien es vor fünf Jahren gewesen.
Diese sogenannten Grünen Zettel verursachen immer wieder lange Schlangen und Staus in den Grenzregionen, denn die Preise der meisten Produkte sind niedriger als in der Schweiz. Zusammen mit der Rückerstattung der Mehrwertsteuer erhöht dies den Anreiz, in Deutschland einzukaufen. Die Bürger aus der Schweiz würden bei weitem nicht nur große Vorräte oder teure Produkte kaufen, wenn sie nach Deutschland herüberkämen, sondern deckten auch den kleinen Bedarf des Alltags verstärkt in Deutschland ab.
Bereits im Jahre 2014 hatte die Stadt Konstanz daher dauerhaft einen Grenzübergang für PKW sperren lassen, um den verstopften Straßen wieder Herr zu werden. Auch Rettungskräfte seien nicht mehr durchgekommen, weswegen man auch nicht darüber nachdenke, diese Maßnahme in naher Zukunft wieder aufheben zu wollen, betonte ein Sprecher der Stadt.
Insbesondere durch die Einkaufslust der Schweizer profitieren zahlreiche Branchen in den grenznahen Gebieten. Das Ranking der meistverkauften Produkte, so die IHK, werde inzwischen nicht mehr von Lebensmitteln, sondern von Duschgel und Shampoo angeführt. Überhaupt seien Drogerieartikel ungemein gefragt. Auch der Handel reagierte bereits: Zu den vier Filialen der Drogeriekette dm in Konstanz werde künftig noch eine weitere hinzukommen.